Behinderte und Nichtbehinderte am Ruder

Foto: Holger Teusch
Foto: Holger Teusch

Ein Presseartikel des "Trierischen Volksfreunds" vom 26.09.2018 - hier der Link zum Artikel

Bernkastel-Kues. Der Bernkasteler RV ist der einzige Ruderverein in der Region, bei dem Menschen mit geistiger Beeinträchtigung rudern lernen können. Jetzt gibt es auch speziell konstruierte Boote.

 

Der Unterschied fällt auch den Ruder-Laien direkt ins Auge: An den Auslegern der neuen Ruderboote des Bernkasteler Rudervereins (BRV) sind zusätzlich Schwimmer befestigt. Diese sorgen dafür, dass das Boot ruhiger im Wasser liegt und nicht so sehr hin und her schwankt. Das ist aber nur der augenfällige Unterschied der neuen Boote, die der BRV angeschafft hat, um auch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung den Wassersport näherzubringen.

 

Die neuen Sportgeräte sind insgesamt robuster gebaut, erklärt der zweite BRV-Vorsitzende Thomas Ruf. „Wir sind schon mit einem 139-Kilo-Mann gerudert“, erzählte der 55-Jährige. Die neuen Boote hat der BRV speziell in der Ruderwerkstatt Wetzlar konstruieren lassen, um das Projekt Unified-Rudern, das gemeinsame Rudern von Behinderten und Nichtbehinderten, voranzutreiben. „Unser Auftrag aus der UN-Behindertenkonvention ist es, Sonderwelten abzubauen“, sagte der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen Matthias Rösch bei der Bootstaufe.

„Wenn ich kein geeignetes Sportgerät habe, kann ich eine Sportart nicht ausüben“, sagt Ruf zur Notwendigkeit der Anschaffung des neuen, Doppelvierers und des Doppelzweiers (jeweils mit Platz für einen Steuermann). Denn die geistig beeinträchtigten Menschen habe man erreicht, seit man das Projekt Unified-Rudern vor vier Jahren startete. „Jetzt haben wir auch die Boote“, freut sich Ruf. Die neuen Ruderboote sind weitgehend einmalig in Deutschland. Es sei das erste Mal gewesen, dass man solche Boote gebaut habe, sagt Daniel Riechmann von der Ruderwerkstatt Wetzlar.

Gemeinsam haben Behinderte und Nichtbehinderte beim Bernkasteler Ruderverein bereits im Wintertraining auf den Ergometern und an Kraftgeräten im Bootshaus trainiert. Zwischen 20 und 30 Menschen mit Beeinträchtigung waren bei den Übungseinheiten dabei. „Es war spannend, wie das im richtigen Boot funktioniert, weil es ja alles Individualisten sind“, erzählt Ruf. Einer habe sich bei der Premiere sogar um 180 Grad im Boot gedreht - eine Aktion die ein normales Ruderboot höchstwahrscheinlich zum Kentern gebracht und weitere Schäden verursacht hätte. Das neue Spezialboot steckte das klaglos weg. Aber trotz zusätzlichen Schwimmern, schwanken tut es immer noch. „Das war am Anfang schon ganz schön wackelig“, erinnert sich einer der Handicap-Ruderer.

Leisten konnte sich der BRV die neuen Boote nur, weil die Bewerbung des Vereins für einen der Förderplätze in der 100-Millionen-Euro-Initiative Skala der reichsten Frau Deutschlands, Susanne Klatten, erfolgreich war und von der Sparda-Bank Südwest sowie dem Förderverein Netzwerk, Gleichstellung und Selbstbestimmung in Rheinland-Pfalz unterstützt wurde.